Aufschlag für eine TINA*-Strategie für die GRÜNE JUGEND Baden-Württemberg
DIESER ANTRAG WURDE AUF DER LANDESMITGLIEDERVERSAMMLUNFG AM 26. OKTOBER 2025 IN WINTERBACH BESCHLOSSEN.
Trans*- und Interfeindlichkeit bleibt weiterhin ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Trotz verbesserter rechtlicher Anerkennung sehen sich viele TINA*-Personen mit Diskriminierungen, Vorurteilen und strukturellen Benachteiligungen konfrontiert. Auch in politischen und medialen Debatten erfahren TINA*-Personen Gewalt. Ebenso treffen sie in medizinischen Umfeldern auf Unverständnis bis konkret ablehnendes Verhalten des behandelnden medizinischen Personals. In Statistiken werden TINA*-Personen kaum erfasst.
Dabei steht TINA* für trans*, inter, non-binär und/oder agender Personen, sowie alle Menschen, die sich nicht mit, bzw. in den gesellschaftlichen Kategorien weiblich oder männlich identifizieren.
Von Trans*- und interfeindlichkeit sind auch die Strukturen der Grünen Jugend Baden-Württemberg nicht ausgenommen. Immer wieder kam es, etwa in der Bildungsarbeit oder der Veranstaltungsplanung, zu Situationen, in denen TINA*-Perspektiven nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Unser Anspruch als GRÜNE JUGEND Baden-Württemberg muss es sein, ein sicherer und inklusiver Raum zu sein. Fundament für dieses Ziel ist eine TINA*-Strategie für die GJBW. Daher verpflichtet sich die GJBW, die hier vorgeschlagenen Maßnahmen konsequent umzusetzen und ihre Wirksamkeit bei der nächsten Landesmitgliederversammlung im Oktober zu überprüfen.
1.
Zur besseren TINA* Arbeit soll der Landesvorstand Workshops zu TINA*-spezifischen Themen entwickeln. Diese Workshops sollen den Kreisverbänden zur Verfügung gestellt, aber auch zur Fortbildung des Landesvorstandes genutzt werden. Die Workshops sollen sowohl Grundlagen (Untergruppen, Dysphorie/Euphorie, Diskriminierung,...) von TINA* Lebensrealitäten und weiterführende Themen (Geschichte, aktuelle Themen) bearbeiten. Die Workshops sollen auch auf Antidiskriminierung in der Grünen Jugend Baden-Württemberg hinarbeiten.
2.
Externe Referent*innen werden im Voraus darauf hingewiesen, dass sie in ihren Workshops in einer Vorstellungsrunde nach den Pronomen der Teilnehmenden zu fragen und diese zu respektieren haben. TINA*-feindliche Aussagen werden nicht toleriert.
3.
Der regelmäßige Austausch zwischen der FINTA* und genderpolitischen Sprecherin der GJBW und TINA* Personen im Verband wird fortgesetzt.
4.
Der Landesvorstand soll nach einem Jahr die TINA* Arbeit evaluieren und gegebenenfalls weitere Maßnahmen in die Wege leiten.
5.
TINA* spezifische Themen sollen insbesondere, aber nicht nur, bei Angeboten für FINTA* Personen thematisiert werden. Auch weitere Intersektionen, wie beispielsweise die Perspektive von migrantisierten oder be_hinderten FINTA* und TINA* Personen sollen beachtet werden.
Antrag in einfacherer Sprache
Menschen, die trans, inter, nicht-binär oder agender* sind (wir sagen dazu: TINA*), erleben in unserer Gesellschaft immer noch viel Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt. Auch in der Politik, in den Medien und bei Ärzt*innen passiert das. In vielen Statistiken kommen TINA*-Menschen gar nicht vor.
TINA* steht für:
trans*: Menschen, die sich nicht (nur) mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
inter: Menschen, die sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen.
nicht-binär: Menschen, die sich nicht (nur) als Mann oder Frau identifizieren und sich außerhalb der zweigeteilten (binären) Geschlechterordnung verstehen.
agender: Menschen, die sich gar keinem Geschlecht zugehörig fühlen.
Auch bei uns, der GRÜNEN JUGEND Baden-Württemberg, gab es Situationen, in denen TINA*-Perspektiven übersehen wurden, zum Beispiel bei Veranstaltungen oder in der Bildungsarbeit. Das wollen wir ändern. Unser Ziel ist: Die GRÜNE JUGEND Baden-Württemberg soll ein sicherer Ort für alle sein. Deswegen schlagen wir vor:
1.
Der Landesvorstand entwickelt Workshops mit Infos über das Leben von TINA*-Personen. Diese Workshops sind für die Kreisverbände und den Landesvorstand selbst. Es geht um Grundlagen, Geschichte und aktuelle Themen.
2.
Menschen, die Workshops geben, müssen alle Teilnehmenden nach ihren Pronomen fragen (z. B. „sie“, „er“, „keine“). Diese Pronomen müssen respektiert werden. TINA*-feindliche Aussagen sind nicht erlaubt.
3.
Die FINTA* und genderpolitische Sprecherin im Landesvorstand bleibt im Kontakt mit TINA*-Personen in der GRÜNEN JUGEND Baden-Württemberg. (FINTA*= Frauen, inter, nicht-binär, trans*, agender)
4.
Der Landesvorstand schaut bei der nächsten Landesmitgliederversammlung, ob die Maßnahmen umgesetzt wurden.
5.
TINA*-Themen sollen in Angeboten für FINTA*-Personen vorkommen. Dabei wollen wir auch an Menschen denken, die zusätzlich z. B. Rassismus oder Ableismus (Diskriminierung wegen einer Behinderung) erleben.